Intro / History

RAUM IST EIN ANDERER
Y8 (YACHT) ist ein Ort, der in gewissen Abständen seinen Aussehen verändert. In der Zusammenarbeit mit wechselnden KuratorInnen werden hier KünstlerInnen den Raum, in dem täglich Yoga praktiziert wird, durch ihren direkten Zugriff verändern.

 

1998 nahmen Benita-Immanuel Grosser, KünstlerIn/YogalehrerIn mit dem Projekt participating, at the same time an der Ausstellung „fast forward“ im Kunstverein in Hamburg teil. Das Projekt participating, at the same time positioniert die Praxis des Yoga seit 1995 (Pat Hearn Gallery, New York) programmatisch in den Kunstkontext.

 

Seit Juni 2001 entsteht Y8 INTERNATIONAL SIVANANDA YOGA VEDANTA CENTER (affiliiert), ein Konzept, das in regelmäßigen Abständen aktuelle Kunst- und Kulturpositionen im Kontext Yoga zur Diskussion stellt.

 

Der programmatische Untertitel „Raum ist ein anderer" lehnt sich an Arthur Rimbauds Diktum „Je est un autre" (Ich ist ein Anderer) sowie an Foucaults Aufsatz „Andere Räume“ von 1967 an.

„Andere Räume" (Heterotopien) nennt Foucault Orte, die sich auf andere Orte beziehen, indem sie die von diesen bezeichneten Verhältnisse neutralisieren, reflektieren oder umkehren. Während Utopien Platzierungen ohne wirklichen Ort sind, können Heterotopien mehrere an sich unvereinbare Räume und Platzierungen an einem Ort zusammenlegen.

 

Es sind „Orte ausserhalb der Orte, wiewohl sie tatsächlich geortet werden können". Solche Orte sind für Foucault z. B. das Museum, das Kino, der Friedhof, das Ferienlager, aber auch das Bordell, und vor allem das Schiff. Yogacenter und Kunstraum sind Orte, die sich von alltäglichen, banalen Orten absetzen, doch erst wenn beide Räume zusammengelegt und auf einen Ort vereint werden, übernehmen und prononcieren sie gemeinsam eine heterotopische Funktion.

 

Im Falle von Y8 INTERNATIONAL SIVANANDA YOGA VEDANTA CENTER (affiliiert) ist die Strategie: Man splittet das Gehäuse (Struktur des Umraumes) von seiner Funktion (Handlungsraum des Yoga), um Nichtvereinbares in ein Spiel zu bringen: der Kunstraum bestimmt die Hardware: Oberfläche, Struktur, Licht und Material des Ortes. Der Yogaraum dagegen entscheidet über die Software: Regeln, Ritual und Funktion.

 

Ein System von Öffnungen und Schließungen verbindet beide Teilsysteme und beinhaltet gleichzeitig deren Autarkie. Jeder Teil – Kunstraum und Yoga – ist so gehalten, dass er sich den spezifischen Bedingungen des heterotopischen Systems aussetzt und die Parameter des Anderen reflektiert.

Benita-Immanuel Grosser