
JONATHAN MONK
Installation des in Berlin lebenden englischen Künstlers Jonathan Monk.
Jonathan Monks Installation für Y8 bestand, im Gegensatz zu denen der bisherigen Künstler, aus mehreren Einzelwerken. Den Boden von Y8, ein Raster von 36 gleich großen Feldern, die nach Osten ausgerichtet sind und als Grundlage und Orientierung für die tägliche Yogapraxis dienen, ließ er, frei nach Piet Mondrians Broadway Boogie-Woogie von 1946, in ein pulsierendes farbiges Netz digitaler Gedanken oder Energie-Impulse transformieren.
Überkopf, von der Decke des Yogaraumes, wölbte sich wie eine Erinnerung aus Kindheitstagen sein Objekt A Journey from Here to There von 2006 (Courtesy Galerie Meyer Riegger, Karlsruhe), ein leicht vergrößertes, in der Farbigkeit eines Regenbogens halbkreisförmig gebogenes Spielplatzklettergerüst. An der Wand neben der Stelle, an der sonst die Uhr die Zeit für die Yogastunde anzeigt, zog eine Null aus grünem Laserlicht von Monks zweitem Import in den Kunstraum, der Installation Zero O’ Clock (20xy, ebenso Courtesy Galerie Meyer Riegger), wie ein Sekundenzeiger auf einem ziffernlosen Ziffernblatt über Wand und Fenster endlos ihre Kreise.
Gegenüber ragten die Stiele zweier blank polierter, in die Wand versenkter Suppenkellen aus der Wand und bildeten damit für den Betrachter eine Art nach Innen verspiegelter konkav gewölbter Sonnenbrille.

Trat der Betrachter neugierig näher an dieses Ready-Made heran, erblickte er sich und den Raum auf dem Kopf stehend – quasi in der Yogaposition Sirshasana. An manchen Tagen breitete sich ein leichter Nebel in der Installation aus und verdichtete, überhöhte und ironisierte den geschaffenen Raum zugleich...
Monk knüpfte ein feines Gespinst geistvoller Bezüge quer durch Y8 und verwob Yoga, Kunst(geschichte), Präsenz/Gegenwart, Vergangenheit, Zeit und Raum, Bildtitel, Werke und seine eigene Person und den/die Betrachter (um nur einige wenige Faktoren zu nennen) zu einer neuartigen Raumerfahrung, die einheitlich und komplex zugleich ist. Er stellte sich hier einmal mehr in die Tradition der Konzeptkunst, deren strenge Prinzipien er zugleich auch wieder unterminiert, indem er sie mit alltäglichem, banalem Leben füllt und mit der eigenen Biografie konfrontiert.
So entsprach beispielsweise die Höhe der Unterkante des Klettergerüstes von A Journey from Here to There vom Boden aus genau der Körpergröße Monks). So wie viele seiner Fotografien, Zeichnungen, Objekte, Installationen und Filme bestehende Werke und Vorbilder der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts reproduzieren, nahm er hier bei Y8 Bezug auf ein zur Ikone gewordenes Spätwerk des Konstruktivisten Piet Mondrian.
Jonathan Monks Werke sind „irritierende Spiele mit Sprache und Ideen“, wie Stefan Berg in seinem einleitenden Text zur Werkschau Monks in Hannover schreibt.

Und in der Tat war Jonathan Monks erster Vorschlag für Y8, John Armleders vorausgegangene Installation (80 Tannenbäume hingen kopfüber an der Decke) kurzerhand zu wiederholen und umzukehren, so dass die Tannenbäume auf dem Boden stehen: „Maybe we should do it again, but the right way...“ („Vielleicht sollten wir es einfach noch einmal machen, aber richtig herum...“).
In seiner Vorgehensweise geht es Monk offenbar weniger darum, Objekte zu erfinden als wieder zu finden, was möglicherweise am Anfang einer Produktion eines Kunstwerks gestanden hat, jedoch durch die Sehgewohnheiten und Mystifizierung verloren gegangen ist. Sicherlich könnte man seine Vorgehensweisen der Rekontextualisierung, Aneignung, Spiegelung, Kommentierung, Doppelung, Verschiebung der Größenverhältnisse lediglich als Versuch der ironischen Distanzierung abtun, wären sie nicht gekoppelt an autobiografische Gegebenheiten. Seine Arbeiten werden dadurch in ein hybrides Spannungsfeld entlassen und entwerfen einen Ort, der es schafft, übergeordnete Konzepte und narrative Elemente gegeneinander auszuspielen.

