
KATHARINA GROSSE
Katharina Grosse ist deutsche Künstlerin. Sie lebt und arbeitet überwiegend in Düsseldorf und Berlin.
Katharina Grosses Installation für Y8 bestand aus einer per Sprühpistole auf Decke, Wandfläche und tragende Balkenkonstruktion übertragene, fast wie Flammen sich ausbreitende länglich spitze Fläche verschiedenster leuchtender Farben. Die Idee zu dieser ersten Deckenarbeit entwickelte sich aus der Yogapraxis, der Entspannungslage Savasan, in der der Betrachter auf dem Rücken liegend nach oben blickt. Sie erstreckte sich über die Raumdiagonale der südwestlichen zur nordöstlichen Raumdecke und Wandecke hin. Wenn der Besucher den Raum betrat, zog die Farbe unmittelbar den Blick an sich nach oben.
Der erste Eindruck war der einer entfesselten Dynamik, die mit der Praxis des Yoga unvereinbar scheint. Doch der Bezug zum Yoga lag vor allem in der Präsenz des Werkes. Es nahm die Wahrnehmung und den Geist vollkommen gefangen, quasi eine Beraubung aller anderen Sinne, der Wahrnehmungen und der Gedanken mit Ausnahme des Jetzt. Und der Farbigkeit des Werkes folgend war dieses Jetzt außerordentlich dynamisch, kraftvoll und positiv. Diese lodernde Positivität besetzte den Raum wie eine wuchernde Schlingpflanze, auf die der Yogapraktizierende immer wieder nach oben blickte.

Der Raum und die ihn tragende Struktur glichen sich unter den Farbflächen einander an. Der Yogaraum und zugleich mit ihm der eigene Innenraum erschienen aufgelöst und erweitert. Auch im Malakt Katharina Grosses findet sich eine solche Absolutheit des Jetzt. Jeder Farbauftrag geschieht ohne vorbereitende Skizze und hat das Potential das gesamte Projekt grundlegend zu verändern. Der künstlerischen Existentialität dieser Situation scheint Katharina Grosse mit der Konzentration und Leichtigkeit eines nahezu absoluten Bewusstseins zu begegnen.
Katharina Grosse ist Malerin. Sie arbeitet auf Leinwand, Papier, Aluminium und Karton oder auch architekturbezogen auf bestehende Wände oder provisorische Einbauten. Ihre Arbeiten sind klar und einfach strukturiert. Sie versucht innerhalb dieser funktionalen, an den essentiellen Eigenschaften von Malerei orientierten Bildanlage ein möglichst großes Maß an malerischer Freiheit zu erlangen.
Doch Katharina Grosse benutzt lediglich die Ergebnisse analytischer Malerei, nicht aber deren Methoden: Ihre Malerei lässt eine Disposition für schnelles, situationsgerechtes und dem inneren Antrieb verpflichtetes malerisches Handeln erkennen. Ihre Malerei lebt vom Gegensatz zwischen der sichtbar streng formalen Bildanlage und dem betont freien Zugriff auf diese Bildanlage. Die Gemälde zeigen die Spannung zwischen Ruhe und entschlossener malerischer Handlung.

Die Malbewegungen mit breiten Pinseln spielen dabei eine zentrale Rolle. Ihre Malerei zeugt von der in sie übertragenen Energie, die sichtbar zu machen eines der Anliegen dieser Kunst ist. 1998 begann die Künstlerin zusätzlich mit der Sprühpistole zu arbeiten. Es handelt sich um eine grundsätzlich andere Technik, wird doch der Bildträger bei diesem Verfahren nicht berührt. Die Farbe wird unter großem Druck zerstäubt, punktuell auf den Bildträger gesetzt und verdichtet. Sprayarbeiten haben per se einen hohen Grad an struktureller Unschärfe, da die unter Druck zerstäubte Farbe nur bedingt kontrolliert werden kann. Das Verfahren fördert prozessuales Schaffen und erzeugt einen starken Illusionismus.
Entstanden sind in den vergangenen Jahren neben gesprühten Leinwänden auch große ein- und mehrfarbige Wandbilder auf Zeit u.a. in der Kunsthalle Bern, an der Sydney Biennale, in der Chinati Foundation in Marfa, im Kunstmuseum Bonn, im Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, in der Nationalgalerie Berlin und zuletzt im Artsonje Museum in Kyongju (Korea).
