klaus frahm

KLAUS FRAHM

ERINNERUNG IST PRAXIS

27. Oktober – 22. Dezember 2005

 

Foto-Installation des Hamburger Fotografen Klaus Frahm. Thema der Installation ist das Berliner Denkmal Für Die Ermordeten Juden Europas.

 

Gut drei Jahre hat Klaus Frahm die Entstehung des Denkmals Für Die Ermordeten Juden Europas in Berlin begleitet und dokumentiert. Y8 zeigte einige der entstandenen Arbeiten im Rahmen einer komplexen Foto-Installation: Ein großformatiges Wandbild im Hauptraum und im Vorraum mehrere Bildsequenzen, die, unterbrochen von Zitaten aus Briefen von Opfern des Holocausts, projiziert wurden.

 

Auf dem großen düsteren Wandbild sah man zwischen den großen, grafisch anmutenden schwarz-weissen Flächen der Stelen eine verloren scheinende rot gekleidete Figur. Die Flächigkeit und die leicht unscharfen Konturen der Fotografie geben der düsteren, geradezu abstrakten Szenerie etwas Schemenhaftes, Dokumentarisches, fast nähert sich die Fotografie in ihrer Ästhetik den fotografischen Zeugnissen der Greueltaten, auf die das von ihr festgehaltene Denkmal verweist. Und dadurch wurden all diese Greueltaten, unterstützt durch die Zitatprojektion des Vorraumes, schlagartig und nahezu atemberaubend präsent.

klaus frahm

Klaus Frahms Projekt war die erste nicht raumgreifende Installation im Raum von Y8. Die klare Form des monumentalen Wandbildes und die Existentialität des Themas verbanden sich mit seiner politisch-ethischen und gesellschaftlichen Bedeutung und gaben der Installation eine vergleichsweise hohe Intensität. Motivisch sahen die hellen Stelenoberseiten aus wie Grabplatten auf Sarkophagen – oder wie Yogamatten, auf denen die Schüler während der Yogastunde unter anderem in Savasana, der Totenstellung liegen.

 

Vergleichbar der Wirkung von Bildern des abstrakten Expressionismus zwang sie den Betrachter ihr gegenüber Stellung zu beziehen und standhaft sich selbst wahrzunehmen - und führte dabei unweigerlich zur Abgrenzung oder Zustimmung. Im Kontext der Yogapraxis gab es nicht nur eine theoretische Konfrontation mit Themen wie Stellenwert des Egos, Vergänglichkeit des Lebens, Tod, Gewalt und Gewaltlosigkeit, Karma und Schicksal etc.

 

Das Bild stellte auch zugleich eine praktische Übung für jeden Betrachter da, den eigenen Innenraum ungeachtet der Intensität der Außenwelt präsent und ruhig zu halten. Nicht alle Besucher waren gewillt sich der polarisierenden Kraft dieser Installation zu stellen.

klaus frahm