silvia kolbowski

SILVIA KOLBOWSKI

UNPOSED

07. November – 14. Dezember 2003

 

Silvia Kolbowski ist amerikanische Künstlerin und lebt und arbeitet in New York.

Wie sehr kann ein Yogaraum wie Y8 wirklich unabhängig, frei von der ökonomischen und sozialen Realität sein? Diese Frage war der Ausgangspunkt für Silvia Kolbowskis Installation Unposed.

 

Für diese Installation wurden im Hauptraum von Y8 drei Diaprojektoren aufgestellt, die auf drei im Raum angebrachten Projektionsflächen Diapositive von ausgewählten Privatfotos von Schülern des Yogazentrums projizierten. Auf der Südwand des Raumes waren ferner die von der Künstlerin verfassten Titel dieser Fotos in zwei Spalten in Deutsch und Englisch zu lesen.

 

Die Fotos stammten ausnahmslos von Teilnehmern der Kurse des Y8-Sivananda Yoga Centers. Sie zeigten Personen bei (körperlichen) Freizeitaktivitäten, wobei letztere nicht mit dem Yoga(raum) in Verbindung stehen sollten. Allerdings sollten diese Aktivitäten, wie das Yoga, zu einem Gewinn an körperlich-mentaler Energie (surplus bodily energy) führen. Diese Art von Aktivitäten, die unabhängig von Nahrungsaufnahme, Schutz, Schlaf oder dem Verdienst des Lebensunterhalts sind, wurden von ihr nicht-funktionelle Aktivitäten genannt.

silvia kolbowski

Die Fotos wurden während der Yogastunden projiziert und zeigten eine Vielzahl solcher nicht funktioneller Aktivitäten in zufälliger Reihenfolge und Kombination. Es wurden somit die (projizierten) Aktivitäten, die außerhalb des Zentrums stattfinden und die (live ausgeführte) Aktivität des Yoga innerhalb des geschützten Yogaraumes miteinander konfrontiert. Und dabei gab es auf formaler Ebene eine Reihe von Diskrepanzen.

 

So wichen Geschwindigkeit und Bildfolge der Projektionen von der Regelmäßigkeit der Yoga-Stellungen und vom Rhythmus der Atmung der praktizierenden Schüler deutlich voneinander ab. Eine weitere Diskrepanz war, dass die von den Schülern eingereichten Bilder ungestellt (unposed) und in ihrer Abfolge unregelmäßig waren - während das Yoga von der Ausführung bereits festgelegter Stellungen und von routinehafter Regelmäßigkeit in der Praxis bestimmt wird.

 

Es existierten auf diese Weise zwei verschiedene Arten von Bewegung, eine regelmäßige und eine unregelmäßige, in demselben Raum. Zusätzlich wurde der Raum, an dem normalerweise nur eine entspannende, in ihren Emotionen reduzierte, meditative Aktivität stattfindet, mit einer Vielzahl unterschiedlicher Aktivitäten und ihren jeweiligen physischen und geistigen Räumen (d.h. auch Emotionen und Erinnerungen) visuell angefüllt.

silvia kolbowski

Yogapraktizierende öffneten während der Körperübungen neugierig die Augen und erblickten evtl. sogar sich oder Freunde und verließen den Weg der konzentrierten Entspannung zu dem sie eigentlich in das Yogazentrum gekommen waren. Teilweise trafen die projizierten Bilder auch auf die im Raum stehenden Yogaschüler, so dass die Bilder teilweise auf ihrer weißen Yogakleidung zu sehen waren. Die Aktivität des Yoga schien dadurch die Einwirkung der Projektion, den Eingriff der äußeren Welt mit all ihren vereinnahmenden Implikationen wie Gewalt, Kommerz etc. in den Yogaraum zu absorbieren, aufzulösen.

 

Auf inhaltlicher Ebene war der Einfluss der Projektionen geringer als vielleicht zu erwarten war: Durchweg alle eingereichten (und auch gezeigten) Fotos hatten eine bemerkenswert positive Grundhaltung, Emotion oder Thema, die bzw. das von der Haltung des Yoga nicht so sehr abwich: Menschen um ein Osterfeuer, ein gebadet werdendes Kind, ein auf dem Gras liegender Hund etc.